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Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften online

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24. August 1866

Ausbruch der Choleraepidemie in Wien

Bildquelle: Austria und die Cholera. ÖNB Bildarchiv und Grafiksammlung (POR), Signatur: Pk 500, 26.

"Wien darf mit Recht in letzter Zeit von Glück reden. Die Trichinen, die Preußen und die Cholera – letztere wenigstens theilweise – haben die Metropole des Reiches verschont" (Die Presse, 24. August 1866, S.1). Noch war man im Feuilleton von "Die Presse" hoffnungsvoll. Grund für Zuversicht bestand jedoch wenig. Der 24. August 1866 markierte den Tag des epidemischen Ausbruchs der Cholera in Wien. "Vor den Trichinen haben uns die braven Wiener Köchinnen gerettet, welche ihre Schweinscotelettes niemals blutig á l'anglaise, sondern immer nur rigoros ausgebraten á la Viennoise zubereiten; von den Preußen unsere starke Stellung innerhalb Floridsdorfer Schanzen; aber wer kann uns vor der Cholera schützen?" (Die Presse, 24. August 1866, S.1). Eine berechtigte Frage, war es doch mittlerweile die vierte Cholerapandemie, die im Europa des 19. Jahrhunderts grassierte. Eine Werbeschaltung in der Tageszeitung "Das Vaterland" pries als Infektionsschutz eine Spirituose: "Das sicherste und bewährteste Präservativmittel gegen die Cholera, ist unstreitig der echte und unverfälschte Wacholderbranntwein, sogenannt Boroviczka" (Das Vaterland, 24. Juli 1886, S. 8).

Ob der Schnaps geholfen hat, bleibt offen. Die Ursache für die Cholera war jedenfalls seit den 1850er Jahren bekannt – verunreinigtes Trinkwasser. Einen effektiven Schutz vor der Krankheit brachten letztlich erst umfangreiche städtebauliche Maßnahmen. Der Ausbau des Kanalisationsnetzes unterband die Vermengung von Abwässern mit dem Trinkwasser in den Hausbrunnen. In Wien tobte die Brechruhr, wie man die Infektionskrankheit auch nannte, von August bis Ende November 1866. Über den Rückgang berichtete schließlich "Die Presse". Demnach hatte die Cholera "allen Anzeichen nach ihren mörderischen Wanderzug so ziemlich beendet" (Die Presse, 24. November 1866, S. 13). Für dieses Mal, denn die rund 6600 Opfer waren nicht die Letzten. Die Seuche kehrte 1873 und schließlich während des Ersten Weltkrieges zurück.

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