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Historische österreichische Zeitungen und Zeitschriften online

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September 1886

Das Wetter vor 130 Jahren

Bildquelle: "Zum Teil stundenweit entfernt vom Observatorium stehen die Niederschlagsauffassungsgeräte, zu denen der Weg über Eis und Firn führt." Ausschnitt aus: G. K. B.-Zeitung, 1. Juli 1939, S. 12. ANNO/ÖNB.

Am 2.September 1886 wurde das Sonnblick-Observatorium feierlich eröffnet, wobei dem Kaiser und dem Erbauer der Warte Ignaz Rojacher Respekt gezollt wurde (vgl. Wiener Abendpost, 3. September 1886, S. 3).

Schon vor der Eröffnung berichtete die Wiener Tageszeitung "Das Vaterland" ausführlich über die Warte, die auf 3100 Metern Höhe die höchste Warte Europas werden sollte. 1890 wurde sie schließlich von der Station am Montblanc auf ca. 4365 Meter abgelöst.

Seit ihrer Erbauung war die Warte eine bedeutende Forschungsanstalt für meteorologische, astronomische und physikalische Untersuchungen. Aber auch für die tägliche Wetterprognose war die Station unentbehrlich. Zu den Messgeräten gehören Barometer, Barographen, Anemometer, Windmessapparaturen und ein Gerät zur Aufzeichnung der Sonnenscheindauer. Die Messungsergebnisse wurden täglich per Telefon nach Wien weitergegeben (vgl. Das Vaterland, 16. Mai 1886, S. 1). Die Forschungsgebiete haben sich in den letzten Jahrzehnten erweitert: Datenerhebungen über Feinstaubbelastung, Permafrost und Radioaktivität haben seit der Erbauung der Warte vor 130 Jahren an Wichtigkeit gewonnen.

Der Bau entpuppte sich als große Herausforderung, da alle Baumaterialien — außer bereits vorhandenem Stein — über die Alpen getragen werden mussten. Trotzdem konnten die Bauarbeiten innerhalb eines Sommers vollzogen werden.

Die aufwändige Ausstattung der Forschungseinrichtung konnte nur unter entsprechender Wartung sinnvoll genutzt werden. Die einwandfreie Funktionstüchtigkeit der Warte konnte nur durch die Arbeit des Wetterwartes gewährleistet werden. Zum Beispiel musste dieser bei Frost die Spitze des Turms besteigen, um die Windmesser von Eis und Schnee zu befreien. Bei Lawinenabgängen konnte es vorkommen, dass der Wart tagelang allein in der Sonnbergwarte ausharren musste. "Es ist daher nicht weiter verwunderlich, daß die Beobachter es nur höchst selten länger als ein paar Jahre auf dem Gipfel aushalten. Nur ein einziger von ihnen, Leonhard Winkler, diente zehn Jahre — von 1923 bis 1933 — der Wissenschaft als Wetterwart auf dem Sonnblick." (G. K. B.-Zeitung, 1. Juli 1939, S. 11-12). Auch am 20. Jänner 1888 berichtete das "Grazer Volksblatt" von den extremen Bedingungen, die die Sonnblickwarte aushalten mussten. Der Wart des Vorjahres wäre nach einem Besuch im Tal nicht mehr dazu zu bewegen gewesen, zu seinem Posten zurückzukehren. Laut Aussagen des neuen Wetterwartes hatte es in der Gelehrtenstube zwischen 13 und -33 Grad und beim Ablesen der Geräte im Freien gefroren ihm Fingerspitzen und Bart (vgl. Grazer Volksblatt, 20. Jänner 1888, S. 5). Die hartgesottenen Kandidaten für den Wärterposten beschränkten sich meistens auf ortsnahe Personen, die sich freiwillig für ein einsames Leben im rauen Alpenklima entschieden.

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